Präeklampsie – Schutz und Vorsorge

Die Diagnose „Präeklampsie“ oft auch als „Schwangerschaftsvergiftung“ bezeichnet – ist ein Thema, das bei vielen werdenden Müttern Fragen aufwirft.

In unserer Praxis für Pränatalmedizin legen wir großen Wert darauf, Sie durch moderne Diagnostik und evidenzbasierte Informationen sicher durch Ihre Schwangerschaft zu begleiten.

Was ist eine Präeklampsie?
Die Präeklampsie gehört zu den sogenannten hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen und tritt typischerweise nach der 20. Schwangerschaftswoche auf. Sie ist definiert durch das Auftreten von Bluthochdruck (und somit Blutdruckwerten über 140/90 mmHg) in Kombination mit einem oder weiteren Symptomen wie einer erhöhten Eiweißausscheidung im Urin oder einer Beteiligung anderer Organsysteme (z. B. Leber, Nieren oder das blutbildende System).
Weltweit sind etwa 2 % bis 5 % aller Schwangeren betroffen. In Deutschland zählt sie zu den führenden Ursachen für Komplikationen in der Schwangerschaft.

Was sind möglich Ursachen?
Nach aktuellem wissenschaftlichem Stand liegt die Ursache in einer gestörten Entwicklung der Plazenta zu Beginn der Schwangerschaft. Die mütterlichen Gefäße passen sich nicht optimal an die Bedürfnisse der Schwangerschaft an. Dies führt dazu, dass die Plazenta Botenstoffe ausschüttet, welche die Gefäßwände der Mutter belasten und somit zu dem Bluthochdruck und weiteren Symptomen führen.

Welche Verlaufsformen gibt es?
Je nach Entstehungszeitpunkt und Schwere des Verlaufs werden zwei Formen der Präeklampsie unterschieden.
1. Frühe Präeklampsie (Early-onset): vor der 34. SSW
Diese Form tritt seltener auf, ist jedoch meist schwerwiegender. Sie ist eng mit einer ausgeprägten Funktionsstörung der Plazenta verknüpft.
Verlauf: Es kommt häufiger zu einer Wachstumsverzögerung und somit einem leichteren Geburtsgewicht des Kindes. Da die mütterlichen Symptome oft rasch zunehmen und meist ausgeprägter sind, ist häufig eine vorzeitige Entbindung notwendig.
2. Späte Präeklampsie (Late-onset): ab der 34. SSW
Dies ist die häufigere Form (75–80 % der Fälle). Sie tritt erst im letzten Drittel der Schwangerschaft auf.
Verlauf: Die Plazentafunktion ist hier oft weniger stark beeinträchtigt. Der Verlauf ist für die Mutter und das Kind in der Regel milder, erfordert aber dennoch eine konsequente Überwachung bis zur Geburt oder teilweise auch eine frühere Beendigung der Schwangerschaft, zum Beispiel durch eine Geburtseinleitung.

Wie erkennen wir, welche Schwangeren eine Präeklampsie entwickeln?

Um möglichst früh in der Schwangerschaft das Risiko für das Auftreten einer Präeklampsie festzustellen, wurde das Präeklampsiescreening entwickelt. Es ist inzwischen ein fester Bestandteil des erweiterten Ersttrimesterscreenings und ermöglicht uns, im Zeitraum 11+0 bis 13+6 Schwangerschaftswochen Ihr individuelles Risiko zu berechnen. Da dies jedoch von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen wird, ist ein Teil der Untersuchung in jedem Fall eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL).

Wie läuft das Präeklampsiescreening ab?
Im Rahmen des Ersttrimesterscreenings erfolgt neben der Ultraschalluntersuchung auch eine Blutdruckmessung, eine Blutentnahme und ein Gespräch zur Erhebung möglicher bestehender Risikofaktoren. Folgende Parameter fließen in die Untersuchung mit ein:
1. Mütterliche Faktoren: Anamnese (wie z.B. Vorerkrankungen), mütterliches Alter und Gewicht.
2. Blutdruckmessung: Standardisierte Messungen an beiden Armen.
3. Ultraschall (Doppler): Messung des Widerstands in den beiden Gebärmutterarterien (sogenannte Arteriae uterinae).
4. Blutentnahme: Bestimmung des Plazenta-Wachstumsfaktors (PlGF) im mütterlichen Blut.
Mit Hilfe dieser Parameter kann berechnet werden, ob die untersuchte Schwangere ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer Präeklampsie in sich trägt.

Welche Möglichkeiten der Prophylaxe gibt es?
Sollte das Screening ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer Präeklampsie ergeben, können wir das Auftreten der Erkrankung oft verhindern oder hinauszögern.
Die Wirksamkeit der medikamentösen Vorsorge wurde durch die ASPRE-Studie (Aspirin for Evidence-Based Preeclampsia Prevention) wissenschaftlich belegt. Die Studie zeigte, dass die Einnahme von 150 mg Acetylsalicylsäure (ASS) täglich bis 36+0 SSW das Risiko für eine frühe Präeklampsie um etwa 60% senken kann.
Es wird empfohlen, die ASS-Tablette am Abend einzunehmen, da dies mit einer besseren Wirksamkeit einherzugehen scheint. Besonders wichtig ist der Beginn der Einnahme vor 16+0 SSW, da sich hier in Studien die besten Effekte gezeigt haben.

Welche Symptome treten bei einer Präeklampsie auf?
Folgende Symptome sind typisch im Rahmen einer Präeklampsie und sollten auch immer ärztlich abgeklärt werden (beim betreuenden Gynäkologen oder im Krankenhaus):
• Blutdruckwerte über 140/90 mmHg
• Starke, anhaltende Kopfschmerzen.
• Sehstörungen (Augenflimmern, Lichtempfindlichkeit).
• Schmerzen im Oberbauch (oft rechtsseitig).
• Plötzliche, starke Wassereinlagerungen (Gesicht und/oder Hände).
• Rasche Gewichtszunahme (> 1 kg/Woche).

Hat eine Präeklampsie auch Konsequenzen nach der Schwangerschaft?
Tritt eine Präeklampsie während der Schwangerschaft auf, können der Bluthochdruck und mögliche andere Symptome behandelt werden. Die Entbindung ist jedoch die einzige Therapie, eine Präeklampsie endgültig zu beenden. Manche Frauen haben auch noch Wochen oder Monate nach der Entbindung einen Bluthochdruck und benötigen Medikamente.
Oft wird außer Acht gelassen, dass Frauen, die eine Präeklampsie hatten, ein höheres Risiko für die Entstehung von Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen im späteren Leben tragen.
Empfohlene Maßnahmen nach einer Präeklampsie:
Regelmäßige Check-ups: Lassen Sie jährlich Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerte beim Hausarzt kontrollieren.
Gesunder Lebensstil: Bewegung und ausgewogene Ernährung senken das Risiko für Folgeerkrankungen deutlich.
Folgeschwangerschaften: Das Wiederholungsrisiko liegt bei etwa 15 %. Wir empfehlen daher auch in einer Folgeschwangerschaft ein frühzeitiges Screening im ersten Trimester und die prophylaktische Einnahme von ASS 150 mg pro Tag.

Quellen
DGGG Leitlinie HES (015/018); AWMF S2e Leitlinie 085-002 (2024); Rolnik et al. (ASPRE-Studie), NEJM 2017; ACOG Practice Bulletin 222; NICE Guideline NG133; Schneider et al. „Die Geburtshilfe“; Williams Obstetrics (26th Ed.).

Doppleruntersuchung

Kombination aus der Darstellung von Blutflüssen und von Flussprofilen Bild. Die Flussprofile liefern uns Informationen über die Versorgung der Plazenta, die Herzleistung des Kindes, eine eventuelle Blutarmut oder die Blutverteilung im kindlichen Kreislauf.

Fetale Echokardiographie

Die Untersuchung des fetalen Herzens ist eines der wichtigsten und auch schwierigsten Elemente der Feindiagnostik bei 20 Wochen. Zweidimensionaler Ultraschall, Farbdoppler und – wenn erforderlich – auch dreidimensionaler Ultraschall kommen zum Einsatz. Alle Kammern, Arterien und Venen des Körper- und des Lungenkreislaufs werden dargestellt. Den weit überwiegenden Teil der möglichen Herzfehler können wir bei dieser Untersuchung erkennen bzw. ausschließen.

Mutterschafts-Richtlinien

Die Richtlinien regeln den Umfang der ärztlichen Betreuung in der Schwangerschaft und nach der Geburt. Zum Beispiel ist festgelegt, wann die drei Routine-Ultraschalluntersuchungen stattfinden sollen und aus welchen Gründen zusätzliche Untersuchungen angezeigt sein können. Wichtige Untersuchungen wie das Ersttrimester-Screening oder die Feindiagnostik bei unauffälligem Routine-Ultraschall sind in den Richtlinien nicht erfasst.

Nackentransparenz

Lockerer Gewebespalt zwischen der Haut des Hinterkopfes und dem darunter liegenden Gewebe des ungeborenen Kindes. Eine Verbreiterung kann ein Frühzeichen eines Herz-Kreislaufproblems sein. Zwischen 11 und 13 Wochen kann der Messwert auch benutzt werden, um die Wahrscheinlichkeiten einiger genetischer Störungen zu berechnen.

Feindiagnostik

Umfassende Ultraschalluntersuchung meist zwischen 20 und 22 Wochen. Bei früh entdeckten Auffälligkeiten können eine Feindiagnostik auch vor 20 Wochen sinnvoll sein. Der Umfang einer Feindiagnostik bei etwa 20 Wochen ist in Qualitätsanforderungen der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) beschrieben Link. Die Richtlinien zur Schwangerschaftsbetreuung sehen eine Feindiagnostik nur bei Auffälligkeiten im Routine-Ultraschall oder bei belasteter Vorgeschichte vor. Eine große Zahl der Schwangeren nimmt diese Untersuchung daher als Selbstzahler-Leistung in Anspruch. Bilder

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